Der 8. März: Ein Realitätscheck für die Glaubwürdigkeit von Marken
Jedes Jahr, wenn der 8. März näher rückt, stehen viele Unternehmen vor einer ähnlichen Frage: Soll man sich mit einer aufrichtigen Botschaft äußern – oder lieber mit der üblichen, reflexhaften Kommunikation? Der Internationale Frauentag hat sich längst zu einem festen Termin im medialen Kalender entwickelt. Entsprechend wird von Unternehmen erwartet, klar Stellung zu beziehen und dabei glaubwürdig zu bleiben. Zwischen den öffentlich formulierten Versprechen und der Realität im eigenen Unternehmen sollte möglichst kein Widerspruch bestehen.
In diesem Kontext müssen Marken sorgfältig überlegen, ob und wie sie sich äußern. Dabei gilt es auch, regionale mediale Besonderheiten zu berücksichtigen. Denn ein unbedachter Schritt kann schnell zu einem Reputationsrisiko werden. In der PR zeigt sich jedes Jahr aufs Neue: Die glaubwürdigsten Beiträge sind diejenigen, die auf Fakten und konkreten Verpflichtungen beruhen – nicht nur auf Symbolik.
Den Kontext verstehen, bevor man kommuniziert
Der 8. März ist mehr als ein symbolisches Datum. Er steht für einen anhaltenden Kampf um Gleichberechtigung. Seine Ursprünge liegen in den Arbeiterbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts; 1977 wurde der Tag von den Vereinten Nationen offiziell anerkannt. Ziel ist es, auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam zu machen – etwa bei Rechten, Repräsentation, Arbeitsbedingungen oder Bezahlung von Frauen und Männern.
Im Laufe der Jahre haben jedoch auch viele Marken den Tag für ihre Kommunikation entdeckt. Diese mediale Sichtbarkeit hat zwar dazu beigetragen, das Thema im öffentlichen Raum präsent zu halten. Gleichzeitig hat sie aber auch eine Vielzahl opportunistischer Statements und wenig durchdachter Kampagnen hervorgebracht.
Im Jahr 2025 beispielsweise griffen mehrere Organisationen in ihrer Kommunikation das Motto „Accelerate Action“ auf, das auf der Website internationalwomensday.com verbreitet wurde. Viele gingen davon aus, dass es sich um das offizielle Motto des Internationalen Frauentags handelt. Tatsächlich wird diese Seite jedoch von einem privaten Marketingunternehmen betrieben und ist nicht mit den Vereinten Nationen verbunden, die jedes Jahr ihr eigenes offizielles Thema festlegen. Einige Institutionen mussten ihre Inhalte später korrigieren oder zurückziehen.
Der Fall erinnert an eine einfache PR-Regel: Glaubwürdigkeit beginnt mit Sorgfalt. Gerade bei sensiblen und institutionellen Themen gehören Quellenprüfung und Kontextverständnis zwingend zur Strategie.
Transparenz als Voraussetzung für Glaubwürdigkeit
Der 8. März kann für Unternehmen durchaus ein legitimer Anlass sein, sich öffentlich zu äußern – vorausgesetzt, die Botschaft spiegelt eine überprüfbare Realität im eigenen Unternehmen wider.
Wer über Gleichberechtigung kommuniziert, ohne konkrete Daten über die eigene Situation zu teilen – etwa zu Lohnunterschieden, Führungspositionen, Elternzeitregelungen oder Maßnahmen gegen Bias im Recruiting –, setzt sich schnell Kritik aus.
Umgekehrt kann ein ehrlicher Blick auf die eigene Situation, inklusive der Punkte, die noch verbessert werden müssen, als Zeichen von Reife und Verantwortungsbewusstsein wahrgenommen werden.
Transparenz ist kein Reputationsrisiko. Sie ist ein Vertrauensfaktor.
Welche Inhalte besonders glaubwürdig sind
Einige Kommunikationsformate wirken deutlich überzeugender als andere:
1. Dokumentierte interne Bestandsaufnahmen
Konkrete Zahlen, messbare Verpflichtungen und mittelfristige Ziele verankern die Kommunikation in der Realität.
2. Stimmen von Expertinnen
Expertinnen können eine Branchenfrage aus ihrer fachlichen Perspektive einordnen. Wichtig ist dabei: Es geht nicht darum, „eine Frau ins Rampenlicht zu stellen“, sondern um eine fundierte Marktanalyse.
3. Strukturelle Maßnahmen
Die Ankündigung konkreter Initiativen – etwa Mentoringprogramme, Kooperationen mit Organisationen oder Anpassungen der HR-Politik mit klarer Roadmap – zeigt echten Handlungswillen.
Opportunistische Kampagnen ohne Bezug zur Unternehmenskultur oder zum Kerngeschäft führen dagegen schnell zu Vorwürfen des „Feminism Washing“. Medien und Stakeholder erkennen solche Aktionen heute sehr schnell, wenn öffentliche Botschaften nicht zur Realität passen.
Drei Fragen vor jeder Kommunikation
Bevor ein Unternehmen am 8. März kommuniziert, lohnt es sich, drei grundlegende Fragen zu stellen:
Verfügen wir über messbare und überprüfbare Daten?
Sind wir bereit, Medienfragen zu unseren Zahlen und möglichen Verbesserungsfeldern zu beantworten?
Passt diese Botschaft zu unserer aktuellen Unternehmenspolitik und zu unseren langfristigen Verpflichtungen?
Wenn eine dieser Fragen nicht eindeutig beantwortet werden kann, ist es oft sinnvoller, die Strategie zu überarbeiten – oder auf eine Kommunikation ganz zu verzichten.
Den Ansatz je nach Land anpassen
Der 8. März wird nicht überall gleich wahrgenommen. Wie so oft in der PR muss der Ansatz an die jeweiligen nationalen Kontexte angepasst werden. Als paneuropäische Agentur beobachten wir deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Die erfolgreichsten Strategien sind meist diejenigen, die nationale Sensibilitäten berücksichtigen und gleichzeitig eine übergreifende Kohärenz bewahren.
In Frankreich liegt der mediale Fokus stark auf Lohngleichheit und Fairness. Journalistinnen und Journalisten erwarten hier oft präzise und überprüfbare Daten.
Im Vereinigten Königreich drehen sich viele Diskussionen stärker um Repräsentation in der Wirtschaft, häufig mit einem klaren Business-Bezug.
In Deutschland hat der 8. März teilweise eine stärker aktivistische Dimension – besonders in Städten wie Berlin, wo er ein gesetzlicher Feiertag ist. Das Thema ist politisiert, und Medien reagieren sehr sensibel auf mögliche Widersprüche.
Mehr als ein Social-Media-Post
Der 8. März sollte niemals auf einen einzelnen Social-Media-Post oder eine Marketingaktion reduziert werden. Er ist vielmehr ein Test für die Kohärenz der eigenen Reputation.
Für manche Unternehmen kann dieser Tag eine sinnvolle Gelegenheit sein, um Fragen der Gleichberechtigung in ihrer Branche zu beleuchten – etwa zur Rolle von Frauen in Tech, Finanzen oder Industrie.
Doch glaubwürdig ist eine solche Kommunikation nur dann, wenn sie auf einer soliden internen Realität basiert – oder zumindest auf einer ehrlichen Transparenz darüber, welche Fortschritte noch notwendig sind.
Genau diese Übereinstimmung zwischen öffentlichem Diskurs und internen Praktiken macht heute den Unterschied – sowohl für Medien als auch für Stakeholder.




















